Traditionelle Lüftlmalerei in der historischen Ludwigstraße
Entdecke historische Gebäude und traditionelle Lüftlmalerei im alten Partenkirchen
Hier, wo heute die Ludwigstraße verläuft, befand sich schon in vor- und frühgeschichtlicher Zeit ein Saumpfad, der Tirol und das Voralpenland verband. Ausgebaut zur Straße wurde sie dann um 40 n. Chr. unter den Römern als Teil der transalpinen Via Claudia Augusta. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit entwickelte sich die Ludwigstraße in eine lebendige Fernhandels- und Geschäftsstraße. Sie war eine wichtige Strecke und Station im Rottwesen, dem organisierten transnationalen Warenverkehr mit Ochsen- oder Pferdefuhrwerken.
Lüftlmalerei
Lüftlmalerei – so heißen die Fassadenmalereien in Oberbayern. Ihr großer Meister, der Oberammergauer Franz Seraph Zwinck, hatte vom Volk den Beinamen „Lüftlmaler“ erhalten, womöglich, da er in der freien Luft arbeitete. Später wurden auch andere Maler des „al fresco“ mit diesem Beiwort bezeichnet und der Begriff „Lüftlmalerei“ bürgerte sich allgemein ein. Fassadenmalereien waren in der Renaissance, beeinflusst durch Impulse aus Italien, in Süddeutschland besonders in München und Augsburg Mode geworden. Seit dem 18. Jahrhundert folgten dann die Hausbesitzer im ländlichen Raum. Der Hauptgrund war wohl die Freude an der Farbigkeit.
Die Themen sind meist biblische Szenen, Schutzheilige oder Fresken, die Bezug auf das Gewerbe des Hausbesitzers nehmen.
Ludwigstraße Nr. 1
Dieses Haus stellt den Beginn der Ludwigstraße dar. Es ist aus dem Jahr 1880 und beheimatet seit 1919 Goldschmiede Aumayr, das mittlerweile in vierter Generation familiengeführt ist. Über dem Geschäft ist zur Straßenseite ein Fresko ersichtlich, welches aus dem Jahr 1932 datiert ist. Josef Aumayr ließ es für seine Tochter Anna von dem Bildhauer Max Kaiser anfertigen. Diese einschneidende Begegnung stellte den Beginn einer Liebesgeschichte dar, welche später in eine Hochzeit mündete.
In dieser Darstellung ist Anna in einen Schal gehüllt, die neben einer viel kleineren Maria, sitzend vorzufinden ist.
Ludwigstraße Nr. 4 – Schuhhaus Wittmann
Das direkt an den Hang gebaute Haus war früher in der Mitte geteilt. Unten befanden sich beiderseits kleine Viehställe. Die Bewohner der linken Hälfte gelangten über die Steintreppe neben dem Haus zu ihrem Eingang im ersten Stock, die der rechten Hälfte über eine Außentreppe und den kleinen Balkon. In Partenkirchen gab es früher viele geteilte Häuser. Die Leute waren zu arm, um ein ganzes Haus zu bauen oder zu kaufen. Das enge Aneinander führte oft zu Streit, sodass der Spruch entstand: „Ein halbes Haus, eine halbe Hölle.“
Gleich nach dem Ersten Weltkrieg heiratete der Schuhmacher S. Wittmann in die linke Hälfte ein, erwarb auch die andere Hälfte und eröffnete in den umgebauten Kuhställen ein Schuhgeschäft mit Werkstatt. Erst in den 1990er Jahren erhielt das Haus sein jetziges Aussehen und beherbergt nun schon die vierte Generation der Schuhmacher-Familie.
Ludwigstraße Nr. 8 – Altes Haus
Das „Alte Haus“ zeugt noch von der ursprünglichen Bauweise, denn es blieb von den großen Bränden in den Jahren 1811 und 1865 verschont. Im Obergeschoß bestehen die Außen- und Innenwände noch ganz aus Holz. Das Dach ist mit Holzschindeln gedeckt. Das Seitengemälde am Haus zeigt vermutlich den Kniefall des Kaisers Barbarossa.
Seinen malerischen traditionellen Ausbau und die Bemalung der Putzwände erhielt das Haus 1921 – durch Heinrich Bickel, den bekannten Lüftlmaler.
Ludwigstraße Nr. 17
Die Gemälde an diesem Haus stammen von dem bekannten Mittenwalder Lüftlmaler Sebastian Pfeffer. Die beiden rückwärtigen Häuser entstanden erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – nach der Trockenlegung dieses einst sumpfigen Geländes. In früheren Jahren sammelte sich hier immer wieder das Regenwasser, das über das alte G’steig hinunterfloss. Bei starken Regenfällen war die Straße schnell aufgeweicht und für schwere Fuhrwerke unpassierbar.
Ludwigstraße Nr. 24 – Gasthof Fraundorfer
Dieses Gasthaus ist sicher eines der bekanntesten im gesamten bayerischen Oberland. In dem fast ganz in Holz gehaltenen Innenraum erlebt man bayerische Tradition und authentisches Brauchtum. Die reiche Fassadenbemalung von 1949 ist das Werk von Heinrich Bickel, dem namhaften Partenkirchner Lüftlmaler. Es zeigt eine typisch bayerische Hochzeit mit Brautpaar, Hochzeitslader und Hochzeitsgesellschaft.
Nach der Währungsreform am 20. Juni 1948 war an allen Enden das Geld knapp. So machte der Maler Bickel dem Gastwirt Fraundorfer ein äußerst günstiges Angebot. So kam der Gasthof zu dieser schönen und reichen Bemalung – und beiden war geholfen.
Ludwigstraße Nr. 27 – Haus Baudrexl
Der Baustil dieses Hauses glich ursprünglich dem der Nachbarhäuser. Als nach einem Besitzerwechsel der neue Inhaber zu Wohlstand kam, ließ er es um 1890 nach den damals vorherrschenden Formen des Historismus umbauen und innen mit schönen, noch heute erhaltenen Kassettendecken ausstatten. Ein Blick in die Seitengassen lohnt sich, es eröffnet sich nicht nur eine grandiose Aussicht, vielmehr verbirgt sich auch der ein oder andere Schmunzler an den Seitenwänden.
Ludwigstraße Nr. 36 – Haus Simon
Am Haus Simon sticht sogleich ein ungewöhnliches Gemälde ins Auge: Hier wird die Apokalypse dargestellt. Über allen thront Gott, umringt von den sinnbildlich dargestellten vier Evangelisten: Adler = Johannes, Löwe = Marcus, Stier = Lucas und Engel = Mattäus. Der Erzengel Gabriel steht vor dem Tor zum Paradies Wache – mit Feuerschwert und Lilie bewaffnet. Und Michael, der Erzengel des Todes, blickt auf das Ende aller irdischen Zeit. Dieses dramatische Motiv wurde erst in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts vom Mittenwalder Lüftlmaler Sebastian Pfeffer realisiert.
Ludwigstraße Nr. 37
Einst war hier der renommierte „Gasthof zum Melber“ zu Hause. Er war weithin bekannt für seine gute Küche. Im eigenen, herrlichen Garten stehen heute noch große alte Kastanienbäume. Dort fand jedes Jahr ein rauschendes „Melberfest“ statt – mit einer Bühne für Schuhplattler, Tanz und Gesang.
Ludwigstraße Nr. 38
Früher beherbergte dieses Haus den „Gasthof Pischl“, eine beliebte Einkehr. Heute begeistern vor allem die beiden Gemälde von Heinrich Bickel. Im Vordergrund die Heilige Familie, seitlich daneben der Hl. Korbinian mit seinem Bären als Beschützer der Kaufleute, Fuhrleute und Bergbauern.
Ludwigstraße Nr. 39
Zur Blütezeit des Rottwesens stand hier einst ein mächtiges Ballenhaus – mit großen Gewölben für die Waren und Stallungen für bis zu 100 Pferde. Danach veränderte sich das Ballenhaus zur gemütlichen Weinschenke „Zum Stern“. Der Ruf der Schänke war so gut, dass sie sich schon bald umbenannte: „Zum goldenen Stern“. Vor allem Sommerfrischler vom Münchner Hof zog sie magisch an – aber auch viele Maler. 1920 kaufte die Gemeinde das Haus und richtete dort das Partenkirchner Rathaus ein.
Ludwigstraße Nr. 40
Dieses Haus hat eine reiche und lange Geschichte. Erbaut wurde es im Jahre 1516 als Ballenhaus – für die vorübergehende Lagerung von Handelswaren. Gut 25 Jahre später trennte man einen Teil des Hauses ab – für ein Korn- oder Schrannengebäude. Hier wurde sämtliches Getreide, das von auswärts kam, gelagert und weiterverkauft. Kurzzeitig war hier auch eine „Brotbank“ untergebracht: Alle Bäcker mussten ihr Brot hierher bringen. Ein „Brothüter“ verkaufte es dann für alle. Später zog dann eine Volksschule ein – und das Rathaus des Marktes Partenkirchen.
Ludwigstraße Nr. 41
Diese Wandbemalung gibt so manchem Gast ein Rätsel auf: Eine weiße Frau mit Getreide, eine schwarze Frau mit einem Krug mit Rum, ein Zuckerhut, ein Bienenkorb, ein Huhn mit Ei. Eine rätselhafte Kombination, nicht wahr? Des Rätsels Lösung: In diesem Haus befand sich früher ein Konditorei-Café. Die abgebildeten Sachen sind allesamt Zutaten für die Feinbäckerei.
Ludwigstraße Nr. 45 – Gasthof zum Rassen
Der „Gasthof zum Rassen“ ist eine der ältesten und traditionsreichsten Gaststätten in Garmisch-Partenkirchen. Seinen Namen verdankt er dem Grafen Rasso von Andechs. An ihn erinnert auch das große Gemälde an der Frontseite. In früheren Zeiten hatte „der Rassen“ eine eigene große Landwirtschaft sowie eine eigene Brauerei. Daher erklären sich auch die herrlichen, hohen Keller-Gewölbe.
Heute beherbergt das Haus mit seinem stilvollen Saal für bis zu 250 Personen auch eines der ältesten bayerischen Bauerntheater: Das Partenkirchner Bauerntheater. Das feierte 2022 sein 120-jähriges Bestehen. Applaus bitte!
Ludwigstraße Nr. 46 – Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
Am 5. Dezember 1865 brannten nahezu alle Häuser in der Ludwigstraße ab und auch die damalige Pfarrkirche. Nur wenige Jahre später konnten die Partenkirchner die Einweihung ihrer neuen, im neu-gotischen Stil erbauten Pfarrkirche feiern. Die ursprüngliche, abgebrannte Kirche war eine Barockkirche aus dem 18. Jahrhundert gewesen, von der keine Bilder existieren. Glücklicherweise konnte ein Prunkstück der Kirche gerettet werden: das Gemälde des venezianischen Malers Bartolomeo Litterini aus dem Jahre 1731, das die Himmelfahrt Mariens zeigt. Es schmückt heute die linke Seite der Kirche. Gestiftet wurde das Bild damals von einem Würzburger Kaufmann. Dieser war mit einer Partenkirchnerin verheiratet. Weil diese sehr hübsch war, soll sie für die Maria Modell gesessen haben. Der fast lebensgroße geschnitzte Christus am Kreuz von Ignaz Günther, dem bedeutendsten Bildhauer des bayerischen Rokoko, ist ein weiteres Highlight. Die dazugehörigen Figuren des Bildhauers sind im Museum Werdenfels ausgestellt.
Kirchplatz
Der Kirchplatz wurde 1934 nach den Plänen von Josef Wackerle gestaltet. Der gebürtige Partenkirchner und Professor an der Münchner Kunstakademie wählte folgende Anordnung: Auf der rechten Seite des Platzes die Kirche, links der lange Bau der Apotheke, hinten der Pfarrhof und vorne der Brunnen. Die Figuren am Brunnen stellen zwei Gebirgsschützen in Partenkirchner Schützenuniform dar. Leider musste dem Umbau des Kirchplatzes das historische Brothaus weichen. Hier verkauften die Partenkirchner Bäcker seit dem 17. Jahrhundert über einen sog. „Brothüter“ ihr Brot.
Ludwigstraße Nr. 47 – Museum Werdenfels
Seit 1973 befindet sich hier das Museum Werdenfels. Das Haus stammt aus dem 17. Jahrhundert und ist das einzige, das beim „Großen Marktbrand“ von 1865 im mittleren Markt unversehrt blieb. Eine Legende besagt, dass am Tage des Brandes eine Zigeunerin die Anwohner der Ludwigstraße bat, Milch für ihr kleines Kind erwärmen zu dürfen. Die Bewohner dieses Hauses waren die einzigen, die der jungen Frau halfen. Vielleicht war es diese gute Tat, die das Haus vor den Flammen verschonte.
Ein Bild am Giebel des Hauses zeigt das Haus zu jener Zeit. Das beeindruckende Gebäude bildet den idealen Rahmen für das Museum Werdenfels. Der Besucher reist gleichsam durch die Zeiten und erfährt interessante Details der Kulturgeschichte, der reichen Volkskunst und über Traditionen und Bräuche des Landkreises. Neben vor- und frühgeschichtlichen Funden sind – um einige spannende Exponate zu nennen: historische Trachten, Fasnachtslarven, Werkstätten von Handwerkern, historische Räume, eine Ausstellung zur Zugspitze, Gemälde, Musikinstrumente uvm. zu sehen. Im Filmraum können historische und aktuelle Filme angeschaut werden, und durch die wechselnden Sonderausstellungen ist das Museum immer wieder einen Besuch wert.
Ludwigstraße Nr. 49 – Posthotel Partenkirchen, Atlas Posthotel
Die Architektur und der Name des Posthotels sind ein Stück Historie von Partenkirchen. Im Jahr 1763 wurde hier die Poststation der Fürsten von Thurn und Taxis eingerichtet. Später dann die Königlich-Bayerische Posthalterei – mit allen Rechten und Pflichten. Von hier aus wurde der gesamte Brief-, Paket- und Geldverkehr abgewickelt. Im Rückgebäude lagen die Wohnungen für Postillione und Kutscher sowie ein großer Stall für die Pferde.
Ludwigstraße Nr. 50 – Ludwigs-Apotheke
Dieses Haus war in den vergangenen Jahrhunderten im Eigentum von Marktrichter-, (Bürgermeister)-, Händler- und Metzgerfamilien. Um 1630 wurde es eine Zeit lang als Schule genutzt. Von 1810 bis 1865 war hier das Forstamt untergebracht. 1910 erwarb es August Rohrer und betrieb darin die erste Partenkirchner Apotheke, die bis heute Bestand hat. Die Fresken mit Portraits allegorischer Figuren aus der Heilkunde schuf Heinrich Bickel.
Ludwigstraße Nr. 52 – Bäckerei Krätz
Die Fassaden-Malerei an diesem Haus ist ebenfalls von Heinrich Bickel und zeigt zwei Löwen mit goldenen Schwertern und eine Breze. Darunter der Spruch: „Das goldene Schwert, zwei Löwen wild, sind des Bäckers Ehrenschild“. Denn hier ist seit ca. 1830 die Bäckerei Krätz beheimatet. Heute in 8. Generation geführt von Bäckermeister Josef Krätz, wurde diese bereits 1772 gegründet und ist somit die älteste, in Familienbesitz befindliche Bäckerei im Landkreis Garmisch-Partenkirchen.
Ludwigstraße Nr. 53 – Haus Schmied-Roman
Gegenüber von „Haus Langerbeck“, an der Seitenwand des Hauses neben dem Posthotel, ist eine Schmiede abgebildet, die sich früher in diesem Haus befand. Da der Durchgangsverkehr in den vergangenen Jahrhunderten direkt durch die Ludwigstraße führte, war der Schmied immer ein gefragter Mann!
Ludwigstraße Nr. 54 – Haus Nagel
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite glänzt seit den 1920er Jahren das vergoldete Dach eines Erkers in der Sonne. Wie das berühmte „Goldene Dachl“ in Innsbruck – mag man denken.
Ludwigstraße Nr. 55 – Haus Lievert
Die Bilder an diesem Haus rufen die Erinnerung an drei besondere Ereignisse wach: den vermeintlichen Kniefall Kaiser Barbarossas vor Heinrich dem Löwen im Jahre 1176, der nie in Partenkirchen stattgefunden hat, die Aufstellung des Gipfelkreuzes auf der Zugspitze 1851 sowie die Olympischen Winterspiele 1936.
Ludwigstraße Nr. 56 – Haus Langerbeck
Das alte Bäckerhaus stammt aus dem Jahre 1466. Die vier von Stukkatur eingerahmten Bilder an der Hausfront zeigen den Vorgang, wie aus Getreide Brot wird. In den letzten 25 Jahren haben allerdings andere Geschäfte den Platz der Bäckerei eingenommen.
Ludwigstraße Nr. 58 – Werdenfelser Hof
Der Werdenfelser Hof ist ein traditioneller bayerischer Gasthof. Das heutige Gebäude entstand nach dem großen Brand im Jahr 1865.
Ludwigstraße Nr. 59 – Silberer-Haus
Der ehemalige Besitzer des Schmuckgeschäftes „Anton Simon“ wurde „Silberer Toni“ gerufen. Er war ein exzellenter Trachtenkenner und begeisterter Sammler. Er erkannte schon früh den historischen Wert der Trachten und des dazugehörigen Schmuckes. Den stellte er selbst in vielen Variationen her. Viele seiner kunstvollen „Schätze“ stiftete er dem Museum Werdenfels – so auch die wertvolle „Silbererkrippe“.
Ludwigstraße Nr. 60 – Haus Bierprigl
Früher befand sich hier die Buchdruckerei Ostler & Bierprigl. Neben zahlreichen Büchern publizierte sie schon 1893 den „Werdenfelser Anzeiger“. Später wurde der Verlag mit dem auflagenstärkeren „Loisach-Boten“ in Garmisch zusammengelegt. Es entstand 1924 das Garmisch-Partenkirchner Tagblatt. Seitdem erinnert nur noch der Name an den Betrieb.
Ludwigstraße Nr. 61 – „Kögl-Eck“
In diesem Haus befand sich früher das führende Textilgeschäft des gesamten Ortes. Auf zwei Etagen bot es eine große Auswahl an Kurzwaren, Wäsche und Damenbekleidung sowie schöne Dirndlstoffe, für die es weithin bekannt war. An der Vorderseite links sieht man den Kaufmann beim Erwerb der Waren und rechts deren Transport. Im Erker ist ein Gedicht zu lesen. An den Ecken des Erkers sieht man in Holz geschnitzt ein Paar in Altwerdenfelser Tracht, darüber die Heiligen Florian und Antonius, die Schutzpatrone von Partenkirchen. An der Seite des Hauses sieht man ein Bild über die Verarbeitung von Wolle und Stoffen.
Ludwigstraße Nr. 62
An dieser Stelle wartete einst der Jäger Fendt auf Kaiser Ludwig den Bayern, der aus Italien zurückkehrte. Das besagt zumindest die Inschrift. Früher gab es hier auch einen Brunnen, der ein beliebter, abendlicher Treffpunkt der jungen Männer war.
Der Untermarkt
Ab der Kreuzung Sonnenberg- und Schnitzschulstraße beginnt der sogenannte Untermarkt. Dieser Teil von Partenkirchen wurde seit dem 16. Jahrhundert erstmals bebaut. Aber 1811 brannten alle Häuser rechts und links der Straße in einer großen Feuersbrunst nieder. Auf den Ruinen wurde danach gleich wieder aufgebaut. An der östlichen Straßenseite stehen noch ein paar dieser alten Bauernhäuser mit den großen Tennentoren in der Hausfront. Da die Bauern nicht von der Rückseite auf ihre Grundstücke fahren konnten, führte der gesamte landwirtschaftliche Verkehr über die Ludwigstraße. Im Haus Nr. 74 wird seit mehreren Generationen das alte Handwerk der Seilerei betrieben – auch heute noch.
Schäffler-Platz mit Schäffler-Brunnen
Der Brunnen entstand nach den Entwürfen des einheimischen Bildhauers Alois Höger und wurde gestiftet vom Schäfflertanzverein Partenkirchen, der alle sieben Jahre zur Faschingszeit den großen Schäfflertanz aufführt. Der erste offizielle Tanz findet traditionell am Rathausplatz statt und gebührt der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen. Ungefähr 40 Tänze folgen an den nächsten Sonntagen. Der Schäfflertanz geht zurück auf die Tänze der Münchner Schäffler zum Ende der Pest im Jahre 1634.
St. Sebastianskircherl
Die Sebastianskirche liegt auf dem ehemaligen Pestfriedhof. Als auch in Partenkirchen während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) die Pest ausbrach, beschloss man, die Verstorbenen wegen der Ansteckungsgefahr nicht auf dem Friedhof der Pfarrkirche zu begraben. Stattdessen beerdigte man sie auf diesem Grundstück, das damals noch außerhalb des Ortes lag.
Eine Legende besagt, dass am Sonntag, den 19. Oktober 1634, ein Hirtenjunge seine Ziegen nach Hause trieb. Erheblich früher als sonst, schon um 16 Uhr, denn er fühlte sich krank. Beim sogenannten „Geißbrückerl“ an der Faukenstraße fiel er tot um. Daraufhin gelobten die Bürger Partenkirchens, für alle Zeiten am Sonntag um 16 Uhr in der Pfarrkirche die Glocken zu läuten, wenn kein weiterer Pesttoter mehr zu beklagen sei. Deshalb läuten auch heute noch jeden Sonntag um Punkt 16 Uhr die Glocken der Pfarrkirche.
1637 wurde dann das Sebastianskircherl als Pestkapelle eingeweiht. Nachdem 1775 der Friedhof um die Pfarrkirche gänzlich überfüllt war, wurden ab diesem Zeitpunkt die Toten auf dem ehemaligen Pestfriedhof bestattet.
Im Frühjahr 1914 fand hier die letzte Beerdigung statt. 1924 wurde der Friedhof schließlich aufgelassen und ein Kriegerdenkmal angelegt. Der Bildhauer Prof. Josef Wackerle gestaltete den Platz und die Fassadenbemalung der Kapelle.
Führungen durch Partenkirchen
Wer noch mehr entdecken möchte und unterhaltsame, spannende oder auch überraschende Geschichten hören mag, kann an einer unserer Gästeführungen teilnehmen. Unsere geprüften und versierten GästeführerInnen gehen wöchentlich mehrmals auf Entdeckungsreise. Treffpunkt ist das Sebastianskircherl. Termine und weitere Infos sind bei der Tourist Information oder unter www.gaestefuehrer-garmisch-partenkirchen.de erhältlich.
In unserer aktuellen Broschüre (PDF) führen wir durch Partenkirchen und vermitteln Wissenswertes zur Geschichte, spannende Hintergrundinformationen und hilfreiche Tipps.
